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  • Alexandra Jung

Rassedisposition und "Qualzuchten" - ein ewiges Leid unserer Haustiere





Sind Sie bereits stolzer Hunde- oder Katzenbesitzer? Oder spielen Sie mit dem Gedanken, sich einen vierbeinigen Freund anzuschaffen? Darf es ein Mischling sein - vielleicht sogar aus dem Tierheim oder dem Auslandstierschutz - oder bevorzugen Sie einen Rassehund von einem Züchter? Insbesondere wenn es ein reinrassiger Begleiter sein soll, ausgesprochen groß (wie der Bernhardiner zum Beispiel) oder klein (wie ein Toy Pudel) oder mit vielen Falten (wie der Shar-Pei) oder wenig Haaren (wie die Nacktkatzen) bitte ich Sie, diesen Post weiterzulesen und danach gut über Ihre Entscheidung nachzudenken.


Kürzlich durfte ich einen ausgesprochen interessanten und packenden Vortrag von Prof. Dr. Achim Gruber, Leiter des Instituts füt Tierpathologie an der Freien Universität Berlin, über das Thema „Qualzuchten“ hören. Dieses Thema ist ja gerade in aller Munde, wird doch über eine Änderung des deutschen Tierschutzgesetzes – teilweise heiß und emotional - diskutiert. Worum geht es dabei? Nein, es soll nicht unser allseits geliebter Dackel „abgeschafft“ werden, wie einige Zeitungen titulieren. Es geht darum, dass zukünftig großes Leid vermieden werden soll, das auf den rassespezifischen Zuchtstandards basiert.


Hier nur ein paar traurige „Highlights“ des gestrigen Vortrags, die jeden zum Nachdenken bringen sollten, der sich einen sogenannten reinrassigen Hund von einem Züchter anschaffen möchte:


  • Es existieren 80 Krankheiten, die Nebenwirkungen von Zuchtzielen sind. Dies steht klar im Widerspruch zu unserem derzeitig geltenden Tierschutzgesetz, wird aber von den Behörden nicht verfolgt oder nicht ausreichend überwacht.

  • Grosse Hunderassen (Giganten) erkranken mit durchschnittlich 5-6 Jahren an Krebs, während kleinere Rassen erst mit durchschnittlich 11 Jahren an Krebs erkranken. Der Mischling erkrankt im Schnitt 1,5 Jahre später an Krebs. Die kränkste und kurzlebigste Rasse ist der Bernhardiner, ein ehemals leistungsstarkes und robustes (Arbeits-)Tier!

  • Ein hoher Weißanteil am Kopf von Tieren ist ein Gendefekt und führt zu Taubheit. Weiße Katzen mit blauen Augen sind zu 60% taub! Unter den Dalmatinern sind 5-20% auf einem oder beiden Ohren taub! Schwarze Ohren oder größere schwarze Flecken würden das Problem beheben oder zumindest reduzieren, sind aber laut Rassestandards explizit nicht erwünscht.

  • Außergewöhnliche Farben wie Silber, Charcoal oder Champagner sind KEINE Farbvarianten sondern ebenfalls Gendefekte. Diese Hunde können mit 5-7 Jahren einen untherapierbaren Haarverlust (Color Dilutive Alopecia) erleiden, der mit schweren Hautentzündungen sowie juckenden Ekzemen einhergeht!

  • Die Merle-Scheckung, sehr beliebt bei z.B. Australian Shepherds sowie bei 13 weiteren Rassen, ist die Folge eines Gendefekts. Kreuzt man 2 Tiere mit Merle-Scheckung entsteht zu 25% ein sogenannter „Weisstiger“. Dies ist ein Hund, der blind und taub und daher nicht sozialisierbar ist.

  • Der Shar-Pei wird erst seit 30 Jahren in dieser faltigen Form gezüchtet und entstammt einem Pool von nur 4-5 Hunden. Daher ist er ein Inzucht-Produkt!

  • Die französische Bulldogge und andere brachycephalen Rassen leiden aufgrund der Kürze ihrer Nase unter schwersten Atembeschwerden und neigen zu regelmäßigen Augenentzündungen. Und NEIN, es ist nicht putzig, wie der Kleine „schnarcht“ sondern er hat schlicht und ergreifend ATEMNOT!!

  • Der süße kleine Hund, der wie im Zirkus lustig auf drei Beinen hüpft, leidet unter Patellaluxation, d.h. ihm springt regelmäßig die Kniescheibe heraus!

  • Der bereits oben zitierte und allseits beliebte Dackel erleidet aufgrund seiner kurzen Beine und der disproportionalen Länge seiner Wirbelsäule häufig schwere Bandscheibenvorfälle bis hin zu Querschnittslähmungen.

  • Gerne werden auch „Kombinationen“ aus krankmachenden Rassemerkmalen gezüchtet, wie z.B. kurzbeinige, kurznasige Tiere. Diese können dann irgendwann nicht nur nicht mehr laufen sondern auch nicht mehr atmen!

  • Die Tierarztkosten bei gezüchteten Rassehunden betragen das 20-fache der Kosten für einen Mischling! Tierkrankenversicherungen sind hier eine gute Orientierungshilfe, denn sie passen ihre Beiträge dem individuellen rassespezifischen Krankheitsrisiko an.

Dies ist WAHNSINN!! Tiere werden krank gezüchtet, nur damit sie unserem Schönheitsideal entsprechen oder wir sie als Babyersatz in der Handtasche mit uns herumtragen können!!! Ein Tier ist kein Accessoire oder Statussymbol sondern ein Lebewesen!


Und wer kann all das beenden?? Wie so immer regelt zuallererst die Nachfrage den Markt. Das heißt JEDE*R, der/die sich einen Hund anschaffen möchte und zu einer derartig gezüchteten Rasse greift, unterstützt das Leid der Tiere. 


Informieren Sie sich über die Rassedispositionen! Betreiben Sie Recherchen, um Züchter zu finden, die ethisch und moralisch ihrer Arbeit nachgehen. Und tragen Sie diese Informationen hinaus in die Welt!


Prof. Dr. Achim Gruber hat kürzlich sein zweites Buch „Geschundene Gefährten“ veröffentlicht, in dem er auf Basis seines reichen Erfahrungsschatzes in der Tierpathologie die ethischen Fragen mit Blick auf die Züchtungen von Hunden und Katzen beleuchtet.  Ein großer Dank an ihn für seinen starken Einsatz für die leidenden Tiere! Und ein weiterer Dank an den Qualitätszirkel NRW des "Ältesten Verbands der Tierheilpraktiker Deutschlands - seit 1931 e.V." für die Organisation des Vortrags!

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